Fragen und Antworten

 

 

Sind Impfungen grundsätzlich schädlich?

 

F: Auf manchen Internetseiten heißt es, daß Impfungen überhaupt nicht wirken und nur schädlich sind. Was ist davon zu halten?

 

A: Aus meiner Sicht gar nichts. Manche Leute haben sich aufs Impfen sozusagen eingeschossen und sehen darin den Grund für alle möglichen Erkrankungen bei Mensch und Tier. Das ist aber nicht haltbar. Es gibt einige fragwürdige Impfstoffe für Hunde und Katzen, und natürlich ist die jährliche Impferei gegen alles und jedes skandalös. Das bedeutet jedoch nicht, daß Impfungen grundsätzlich unwirksam und schädlich sind. Man kann vielleicht verstehen, daß Tierhalter zu Impfgegnern werden, weil sie - zu Recht oder zu Unrecht - meinen, daß ihr Tier einen schweren Impfschaden erlitten hat. Ich teile solche extremen Auffassungen nicht. Meiner Ansicht nach ist es nicht gerechtfertigt, Impfungen in Bausch und Bogen abzulehnen. Auch die US-Hochschulveterinäre, die sich gegen die jährliche Impferei aussprechen, sind alles andere als Impfgegner.

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Erwachsenen Hund grundimmunisieren?

 

F: Ich habe einen ausgewachsenen Hund, der von Tierschützern aus dem Ausland nach Deutschland gebracht wurde. Er ist bei der Tierschutzorganisation einmal gegen Staupe usw. geimpft worden. Der Tierarzt sagt jetzt, daß die eine Impfung nicht ausreicht und daß der Hund noch mal ganz von vorn geimpft werden muß mit zwei Impfungen hintereinander, weil seit dieser Impfung schon ein paar Monate vergangen sind.

 

A: Wenn ein Hund als ausgewachsenes Tier gegen Staupe, Parvo und Hepatitis geimpft worden ist, dann reicht das. Er braucht keine weiteren Impfungen und schon gar nicht eine komplette Grundimmunisierung wie ein Welpe, denn beim ausgewachsenen Tier "greifen" die Impfstoffe gegen Staupe, Parvo, Hepatitis (und den Zwingerhustenerreger Parainfluenzavirus) nach einer Verabreichung, da es sich um Lebendimpfstoffe handelt. Nur bei Welpen sind in der Regel mindestens zwei Impfungen nötig, da man bei ihnen meist nicht weiß, ob sie noch zuviel Antikörper von der Mutter haben, die den Impferfolg vereiteln können.

Bei der Tollwutimpfung sind die Bestimmungen der deutschen Tollwutverordnung zu beachten. In der Regel wird es so sein, daß der Hund im ausländischen Tierheim mindestens eine Tollwutimpfung bekommen hat. Die sollte man nach einem Jahr wiederholen, dann aber darauf achten, daß das Tier einen der Dreijahrestollwutimpfstoffe bekommt und daß das auch entsprechend im EU-Heimtierpaß eingetragen wird.

Wenn man die Leptospirose-Impfung wünscht, so sollte man sie wiederholen lassen, falls das bei der Tierheim-Impfung mit dabei war. Eine einzige Impfung gegen Lepto erzeugt noch keinen Schutz. Der Schutz ist allerdings sowieso nur sehr eingeschränkt gegeben.

Bei Hunden aus südeuropäischen oder südosteuropäischen Ländern empfiehlt sich auch eine Untersuchung auf die Mittelmeerkrankheiten, zum Beispiel Leishmaniose, falls die Tierschutzorganisation das noch nicht gemacht hat. Eine gute Informationsquelle dazu ist die Website www.parasitus.com

 

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Vorschriften der Züchterverbände

 

F: Ich bin Züchterin und muß meine Welpen impfen lassen, bevor ich die Papiere bekomme von meinem Züchterverband. Es ist genau vorgeschrieben, daß ich die Welpen vor der Abgabe an die Käufer gegen Staupe, Parvo, Hepatitis, Zwingerhusten und Leptospirose impfen lassen muß. Was kann ich da tun?

 

A: Die Impfvorschriften der Züchterverbände kann man mit Fug und Recht kritisieren. Sie lassen den Züchtern in der Regel nicht die Freiheit, ein anderes Vorgehen bei der Welpenimpfung zu wählen, etwa die Titermeßmethode, mit der man die Erstimpfung zu dem Zeitpunkt gibt, an dem sie auch wirklich funktioniert. Manche Züchter versuchen, auf die Änderung der Impfvorschriften ihres Verbands hinzuwirken. Oft ist die Alternative aber nur, außerhalb eines Verbands zu züchten. Besonders übel ist es, wenn die Organisationen auch noch vorschreiben, daß alle zur Zucht eingesetzten Tiere jährlich gegen alles geimpft werden müssen. Das ist einfach unsinnig.

 

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Tollwutimpfung bei Welpen

 

F: Mir hat der Tierarzt gesagt, daß Welpen zweimal hintereinander gegen Tollwut geimpft werden müssen und dann nach einem Jahr noch einmal. Erst danach sei ein Dreijahresabstand für die Tollwutimpfung möglich. Stimmt das?

 

A: Die Impfstoffhersteller schreiben das jedenfalls nicht vor in ihren Gebrauchsinformationen. Dort steht meistens, daß eine Impfung im Alter von zwölf Wochen oder später reicht, um einen Schutz von "bis zu drei Jahren" zu erzielen. Eigentlich müßte es heißen "mindestens drei Jahre", denn die Impfstoffe wurden in der Regel über Zeiträume von mehr als drei Jahren getestet (eine Impfung beim Welpen, danach drei oder mehr Jahre keine Impfung mehr, dann Testinfektion mit richtigen Tollwutviren). Es kann sein, daß ein Welpe nach nur einer Impfung noch nicht den Titerwert erreicht, der für die Einreise etwa nach England verlangt wird. In solchen Fällen ist es sinnvoll, die Tollwutimpfung im Welpenalter zu wiederholen.

 

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Grundimmunisierung vor Dreijahreseintrag?

 

F: Mein Hund hat schon mehrere Tollwutimpfungen im Jahresabstand gehabt. Trotzdem hat sich der Tierarzt geweigert, mir bei der letzten Impfung (Mitte 2006) den Dreijahreseintrag im Impfpaß zu machen. Er sagt, daß der Hund dafür noch einmal neu grundimmunisiert werden muß mit zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen. Ist das wahr?

 

A: Solche Fälle kommen leider immer wieder vor. Es gibt aber nicht den geringsten Grund, einen ausgewachsenen Hund, der schon mehrere Tollwutimpfungen hatte, für den Dreijahresabstand neu zu "grundimmunisieren". Da kann man eigentlich nur raten, sich einen Tierarzt zu suchen, der die Mehrjahrestollwutimpfung korrekt verabreicht, nämlich so, wie es im Beipackzettel des Impfstoffherstellers steht. Und da steht meines Wissens nirgendwo, daß ein ausgewachsener Hund für den Dreijahreseintrag zweimal geimpft werden muß. Das wird in der Regel nicht einmal für den Dreijahreseintrag bei Welpen verlangt, wenn sie bei der Impfung mindestens zwölf Wochen alt sind.

 

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Kleine Impfstoffkombinationen

 

F: Ich würde gern nur gegen Staupe und Parvo impfen lassen, notfalls auch gegen Staupe, Parvo und Hepatitis. Aber mein Tierarzt hat nur Kombi-Impfstoffe mit Staupe, Parvo, Hepatitis, Zwingerhusten und Lepto. Was kann ich tun?

 

A: Die großen All-in-one-Impfstoffkombinationen sind in den Tierarztpraxen sehr beliebt. Manche Tierhalter fahren lange Strecken, nur um bei einem Tierarzt impfen zu lassen, der kleinere Impfstoffkombinationen verwendet. Gelegentlich haben Hundehalter auch schon auf eigene Kosten über den Tierarzt eine Zehner-Dosis einer kleineren Impfstoff-Kombination bestellt und haben dann andere Interessenten gesucht, die sich mit ihnen die Kosten geteilt haben.

 

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Nie eine Nebenwirkung erlebt

 

F: Ich habe meine Hunde schon immer jährlich gegen alles impfen lassen und habe nie eine Nebenwirkung bemerkt. Warum sollte ich damit aufhören? Ich will für meine Tiere optimalen Schutz.

 

A: Niemand zwingt einen Tierhalter dazu, in größeren Abständen nachimpfen zu lassen oder ganz damit aufzuhören. Wer meint, daß viel impfen viel hilft, kann ja weiterhin so verfahren - und wird bei vielen Tierärzten damit offene Türen einrennen. Es ist nur einfach aus wissenschaftlicher Sicht nicht begründet. Kein Mensch wird jährlich mit Lebendimpfstoffen traktiert, auch inaktivierte Impfstoffe werden bei Menschen nicht jährlich verabreicht (Ausnahme: Influenza-Impfung) - und bei Tieren ist das eben auch nicht nötig. Wenn man selbst noch nie negative Folgen des jährlichen Impfens beobachtet hat, heißt das nicht, daß es sie nicht gibt.

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Drei Jahre - ein Fortschritt?

 

F: Was ist von den US-Impfempfehlungen mit dreijährlichen Nachimpfungen gegen Staupe, Parvo und Hepatitis zu halten?

 

A: Das ist ein Kompromiß zwischen den wirtschaftlichen Interessen der praktischen Tierärzte - die einen hohen Anteil ihres Umsatzes mit Impfungen erzielen - und der Wissenschaft. Meiner Meinung nach sind dreijährliche Impfungen, die mittlerweile auch in Deutschland von manchen Veterinären empfohlen werden, ein ziemlich fauler Kompromiß. Es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die beweisen, daß der Impfschutz gegen Staupe, Parvo oder Hepatitis nach drei Jahren abbricht. Dasselbe gilt für die Impfabstände bei Katzen.

 

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Sind Nicht-Impfer Trittbrettfahrer?

 

F: Sind Leute, die ihre Tiere nicht impfen lassen, Trittbrettfahrer, die nur von den Impfungen der anderen Tiere profitieren? Und welche Gefahr geht von ungeimpften Tieren aus?

 

A: Ich halte nichts davon, Tierhalter, die Impfungen völlig ablehnen, zu beschimpfen. Mag sein, daß ihre Tiere von den Impfungen anderer profitieren, jedenfalls soweit es sich um Erreger handelt, die von Hund zu Hund (oder von Katze zu Katze) übertragen werden. Wenn ein hoher Anteil der Population gegen diese Erreger geimpft ist - und wenn die Impfstoffe was taugen -, dann können sich Infektionen nicht mehr ausbreiten, und davon profitieren auch die ungeimpften Tiere ("Herdenschutz" oder "Populationsimmunität"). Die meisten Tierhalter lassen ihre Tiere impfen und werden das sicherlich auch in Zukunft tun, jedoch hoffentlich nicht mehr so oft wie bisher.

Für die Erhaltung des Herdenschutzes ist es nicht erforderlich, daß 100 Prozent der Katzen oder Hunde JEDES JAHR gegen alles geimpft werden. Erforderlich ist, daß ein möglichst hoher Anteil der Tierpopulation gegen die relevanten Infektionen grundimmunisiert ist. Das heißt: Impfung der Jungtiere gegen die relevanten Krankheitserreger Staupe, Parvo oder Katzenseuche. (Die Tollwutimpfung ist natürlich auch wichtig, aber das ist ein etwas anders gelagerter Fall, weil hier gesetzliche Bestimmungen maßgeblich sind.)

Es ist mir auch unverständlich, wenn Tierhalter (oder Hundeschulenbesitzer) hysterisch werden, weil ein Hund nicht geimpft ist. Ihre eigenen Hunde sind ja geimpft, also warum dann die Aufregung? 

 

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Dieselbe Dosis für große und kleine Hunde?

 

F: Warum bekommen kleine Hunde dieselbe Impfdosis wie große Hunde? Sollte man nicht bei kleinen Hunden lieber nur die Hälfte der Menge oder sogar weniger nehmen?

 

A: Das ist eine knifflige Frage, über die sich auch nicht alle Experten einig sind. Professor Ronald Schultz sagt, daß die Dosis bei Lebendimpfstoffen für alle Hunderassen dieselbe sein sollte. Anders sei es bei inaktivierten Impfstoffen - da könne es wegen der Zusatzstoffe und der manchmal großzügig bemessenen Antigenmenge sein, daß kleine Hunde zuviel abbekommen und dadurch Schäden erleiden. Kleine Hunde haben nach einer US-Studie von 2005 ein erhöhtes Risiko für Impfnebenwirkungen, etwa allergische Reaktionen bis hin zum Schock. Das Risiko von Nebenwirkungen steigt auch mit der Zahl der Impfstoffe, die gleichzeitig gegeben werden. Wenn man bei kleinen Hunden das Risiko minimieren will, dann sollte man nicht die großen Impfstoff-Kombinationen geben lassen, sondern Zweier- oder Dreierkombis (Staupe-Parvo oder Staupe-Parvo-Hepatitis). Besonders vorsichtig sollte man sein bei inaktivierten Impfstoffen wie Tollwut und Lepto.

 

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Viel Hundekontakt, viel impfen?

 

F: Sollte ein Hund, der viel mit anderen Hunden zusammen ist, öfter geimpft werden als einer, der wenig Kontakt mit Artgenossen hat?

 

A: Ich habe immer wieder Kontakt mit mehr oder weniger großen Gruppen von Mitmenschen, trotzdem ist noch nie ein Arzt auf die Idee gekommen, daß ich deshalb jährlich oder alle drei Jahre gegen alles geimpft werden müßte. Mir sind keine Gründe bekannt, weshalb man gesellige Hunde öfter impfen müßte als solche, die nur selten Artgenossen treffen.

 

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Impfvorschriften in Tierpensionen

 

F: Wir bringen unser Tier immer in einer Pension unter, wenn wir in Ferien fahren. Dort wird die jährliche Impfung gegen alles verlangt. Wie kann ich das vermeiden?

 

A: Die Impfvorschriften vieler Tierpensionen sind veraltet, dort herrscht meist die Überzeugung, daß viel impfen viel hilft. Dahinter steht sicherlich die Angst, auf Schadenersatz verklagt zu werden, wenn ein Pensionstier krank wird. Zumindest bei der Tollwutimpfung aber sollte man sich auf die Hinterbeine stellen, denn es ist nicht einzusehen, daß Tierpensionen häufigere Tollwutimpfungen verlangen als der Gesetzgeber. Die Impfungen gegen die relevanten Virusinfektionen schützen auch dann viel länger als ein oder drei Jahre, wenn ein Tier in eine Pension kommt. Wer seine Tiere nicht extra für die Tierpension impfen lassen will, sollte sich eine Einrichtung mit vernünftigeren Impfvorschriften suchen (die gibt es, wenn auch nicht viele) oder sie privat unterbringen.

 

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Entwurmen und impfen gleichzeitig?

 

F: Unser Tierarzt entwurmt unseren Hund immer beim Impfen. Ist das sinnvoll?

 

A: Wurmbefall kann die Impfung der Welpen zunichte machen, das Immunsystem reagiert dann nicht richtig auf die Impfung. Dabei wird aber vor der Impfung entwurmt, nicht gleichzeitig mit der Impfung. Sicherlich sollte ein Hund, der seine dreijährliche Tollwutnachimpfung bekommt, dabei nicht gerade stark verwurmt sein. Aber die Wurmtablette gleichzeitig mit der Impfung zu geben ist auch beim erwachsenen Tier unsinnig. Wer seinen Hund nicht unnötig mit Wurmmitteln belasten möchte, sollte regelmäßig die Häufchen inspizieren und hin und wieder beim Tierarzt Kotproben (von mehreren Tagen) untersuchen lassen. Manche Hundehalter entwurmen gar nicht mit chemischen Mitteln, sondern nehmen Kräuter, Öle usw. dafür.

 

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Ein typisches Erlebnis in der Tierarztpraxis

 

F:  Ich war kürzlich mit meinem Hund beim Tierarzt. Die jährliche Impfung war fällig geworden, also nichts wie hin. Ich habe die Informationen zur Dreijahresimpfung ausgedruckt und dachte, es geht dann ohne Probleme, wenn ich die Tierärztin darauf hinweise. Ich habe mich geirrt. Es folgte eine endlose Diskussion, wo ich mir anhören mußte, daß ich ja schließlich keine Medizinerin sei, und ich hätte keine Ahnung (...) Mein Hund wurde mit dem Kombiimpfstoff (...) geimpft. Im Heimtierpaß hatte sie für Tollwut drei Jahre eingetragen (sie findet es nicht richtig, trotz Hersteller und Gesetzgeber), aber für die anderen Komponenten der Impfung, wie Staupe usw., nur ein Jahr. Trotz meiner Argumente meinte sie, daß dafür die drei Jahre nicht gültig seien und eingetragen werden könnten, weil die gesetzlichen Bestimmungen sich nur auf Tollwut beziehen. Zum Abschied meinte sie noch, daß ich die anderen Impfungen nächstes Jahr sowieso wiederholen müsse, und wenn nicht, dann müsse sie die Grundimmunisierung wiederholen.

 

A: Das ist kein Einzelfall, ich bekomme häufig solche Berichte. Tierhalter gehen zum Tierarzt, wollen eigentlich nur die Tollwutimpfung, versuchen, mit dem Tierarzt über längere Impfabstände für Parvo, Staupe usw. zu reden, und werden dann zur Schnecke gemacht. Keines der "Argumente", die hier geschildert werden, ist auch nur im entferntesten korrekt.

Erstens: Es gibt keine Impfpflicht für Staupe, Parvo usw., demzufolge muß da auch gar nichts in den Impfpaß eingetragen werden.

Zweitens: Die Tierhalter entscheiden, wie oft sie ihre Hunde impfen lassen, und nicht der Tierarzt.

Drittens: Da es bei Staupe, Parvo usw. (im Unterschied zur Tollwutimpfung) nicht um die Erfüllung irgendwelcher amtlicher Impfvorschriften geht, ist es egal, was die Hersteller in ihre Gebrauchsinformationen geschrieben haben. Wenn ein Staupeimpfstoff ein Jahr lang schützt, dann schützt er auch drei Jahre und fünf Jahre und noch viel länger. Es kommt nicht darauf an, was im Beipackzettel steht, sondern um welche Art von Impfstoff es sich handelt. Die bei Hunden üblichen Viruslebendimpfstoffe bewirken langanhaltenden Schutz, das ist durch Studien hinreichend belegt.

Viertens: Ganz besonders absurd ist die Ankündigung der Tierärztin, daß der Hund noch mal ganz von neuem grundimmunisiert werden müßte, wenn der Abstand zur letzten Impfung gegen Staupe usw. länger als ein Jahr beträgt. Dafür gibt es nicht die geringste Rechtfertigung.

 

Tierhalter, die sich nicht mit sturen Veterinären herumärgern möchten, sollten sich nach einer Alternative umsehen. Die gibt es, wenn auch nicht überall. Professor Ronald Schultz sagte 2005 auf einem Vortrag in Deutschland: Die Tierhalter müssen die Sache selbst in die Hand nehmen, sonst ändert sich nichts in Sachen Impfung. Viele Tierärzte werden erst dann umdenken, wenn die Patientenbesitzer ausbleiben und sich eine Praxis suchen, wo sie nicht mehr wie Deppen behandelt werden.

 

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Warum so verbissen?

 

F: Warum halten die Tierärzte eigentlich so verbissen an der jährlichen Impferei fest, obwohl das wissenschaftlich gar nicht begründbar ist?

 

A: Tja. Nach meinem Eindruck glauben einige wirklich, daß das so sein müßte, und impfen ihre eigenen Tiere genauso oft wie die Tiere ihrer Klienten. Das ist einigermaßen bestürzend, zeigt es doch, daß da einfach medizinisches Grundwissen über Impfungen und das Immunsystem fehlt. Andere hingegen wissen genau, daß es keine Rechtfertigung für dauernde Nachimpfungen gibt, und machen trotzdem so weiter. Es geht halt um einen beträchtlichen Teil des Praxisumsatzes. Bedauerlicherweise gibt es in Deutschland immer noch Veterinäre mit Professortitel, die den Praktikern etwa auf pharmagesponserten Fortbildungen oder in Tierarztzeitschriften erzählen, daß sie ruhig weiterhin jährlich gegen alles und jedes impfen sollen, weil es sich ja so gut "bewährt" habe. Das hören und lesen die meisten Tierärzte natürlich gern. Es gibt aber auch andere. So hat mir im Herbst 2006 ein praktischer Tierarzt geschrieben, daß ich "völlig recht" hätte mit meinen Aussagen über Impfungen. Aber die Mehrheit seiner Kollegen sei uneinsichtig, und sie brächten damit auf längere Sicht "den ganzen Berufsstand in Verruf". Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Denn je mehr es sich herumspricht, was es mit der jährlichen Impferei auf sich hat, desto mehr verlieren solche Tierärzte an Glaubwürdigkeit.